Freitag, 12. Oktober 2007 um 05:42
Ach, eigentlich gehört es doch auch mal zum Backpackerleben dazu so richtig schön unangenehm knapp ein Flug zu verpassen, oder!? Ob es jetzt unbedingt der 11-Stunden-Flug sein musste….darüber lässt sich streiten… . Aber von Anfang an:
Planmäßiger Abflug war am 10. Oktober um 11:15. Mit Virgin Atlantic sollte es in 10,5 Stunden nach Las Vegas gehen. Am Tag zuvor schmiedeten wir also unseren Schlachtplan:
7 Uhr aufstehen, 8 Uhr zum Frühstück, 8:30 Uhr losfahren und um 9 Uhr dann in Airport Gatwick ankommen. Vor Ort hätten wir so gute 2,25 Stunden Zeit für den Ceck-In. Ein guter Plan… .
Mit dem Fahrplan im Kopf ging es dann am nächsten Tag los. Die Regionalbahn sollte uns von New Cross mit einem Umstieg in East Croydon nach Gatwick bringen. Das funktionierte soweit auch ganz gut – zumindest bis zum Umsteigen in East Croydon Hier begingen wir einen fatalen Fehler:
Es fuhren kurz hintereinander 3 Züge nach Brighton – das war die richtige Strecke, denn Gatwick liegt zwischen East Croydon und Brighton. Nun, wir waren uns unsicher – welcher der 3 Züge war der richtige? Also kurzer Hand einen der vielen verdammt unfreundlichen Bahn-Mitarbeitern gefragt. Seine Empfehlung lautete „Platform 3“ – super, damit waren wir auf der sicheren Seite….dachten wir und stiegen ein..
Ziemlich schnell entdeckten wir im bereits fahrenden Zug die Infotafel: „Next stop Brighton“. Da hat uns der Held doch glatt in den Schnellzug nach Brighton gesetzt – OHNE Halt in Gatwick… . Am Flughafen sind wir dann um 10:30 Uhr eingetroffen – 15 Minuten zu spät für den Check-In.
In ihren einwandfreien roten Uniformen begrüßte uns eine Gruppe netter Virgin-Mädels. Guter Service, das muss man ihnen lassen. Eine von Ihnen begleitete uns an den Service-Schalter, wo man sich sehr bemüht um uns kümmerte. Wir hatten die Wahl: Zum einen bestand die Möglichkeit, dass wir noch am selben Tag nach Los Angeles fliegen und von da aus per Anschlussflug nach Las Vegas. Kostenpunkt: 90 Pfund. Zum anderen einfach morgen zur selben Zeit (nein, ein klein Tick früher) wiederkommen und den nächsten Flug nach Las Vegas nehmen. Kostenpunkt: 0 Pfund!
Nicht nur aus Kostengründen entschieden wir uns für die letztere Variante. Als kleine Geldeinsparungsmaßnahme (ihr wisst ja, London ist teuer) entschieden wir uns die nächsten Stunden im Flughafen zu bringen. Die ersten acht Stunden verbrachten wir in unserem Taglager und wechselten dann in unser Nachtlager – einer von neun modrigen Flughafenbänken. Wir waren zwar nicht die einzigen, die hier nächtigten, dafür hatten wir aber eine gepolsterte Bank mit einem sahnigen Ausblick ins Flughafen-Atrium - wie romantisch… .
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Bei unseren „Nachbarn“ handelte es sich um wirklich extrem merkwürdige Leute. Sei es das 70-jährige Pärchen, in Jogging-Hose, lila Brille und pinken Rucksack. Das asiatische Lesben-Pärchen, der 85-jährige, der es sich neben mir gemütlich machte…oder auch der Extrem-Schläfer, der im Schlaf fest um sich trat und irgendwann von der Bank auf den kalten Boden fiel und dort ohne sich was anmerken zu lassen weiter schlief.
Zwei düster schauende Polizisten im schicken Kampfanzug und mit ihren Maschinengewehren im Anschlag passten auf uns auf und ein fleißiger Kommissar befragte auffällige Personen („Können Sie mir bitte verraten weshalb Sie hier so ziellos herumlaufen?“). Außer zwei Feueralarmen war die Nacht dann ruhig – und mit unseren letzten drei Pfund konnten wir uns sogar noch eine Packung Toastbrot und ein wenig Schinken leisten.