Dienstag, 1. Juli 2008 um 19:36
Schon die Fahrt nach Kuala Lumpur war interessant. Umso näher wir der Hauptstadt Malaysias kamen, desto stärker wurden die Kontraste. Reich und arm, alt und neu. In Kuala Lumpur wurden wir nahe eines Busbahnhofes (es gibt mehrere) auf die Straße gesetzt.
Unsere Umgebung war laut, hektisch und weiterhin voller Kontraste: Neben dem Hochhaus mit Glasfassade findet sich ein heruntergekommenes, nicht mehr bewohntes, Einzelhaus. Neben dem beschäftigt wirkenden Geschäftsmann im Anzug läuft eine alte Frau in traditionellen Kleidern. Das ist Kuala Lumpur…irgendwie merkwürdig, aber verdammt faszinierend!
Noch am gleichen Abend sowie am nächsten Tag gingen wir auf Erkundungstour. Unser Weg führte uns durch die moderne Innenstadt, traditionelle Wohnbezirke, vorbei an Moschen und Tempeln sowie zu den malaysischen, indischen und chinesischen Essensständen.

Auf unserer Sightseeing-Tour durften auch die Petronas Twin-Tower nicht fehlen. Diese gelten als Malaysias großer stolz und sind mit ihren 452 Meter die weltweit größten Twintowers – bis 1996 waren sie sogar das höchste Gebäude der Welt.

Die Besichtigung der Brücke, welche sich im 41ten und 42ten Stockwerk befindet und beide Tower miteinander verbindet, ist kostenlos möglich. Jeden Tag werden 3.000 Eintrittskarten verschenkt, welche allerdings auch immer recht zügig vergeben sind. So waren wir schon morgens um 10 am Tower, um uns unsere Karten für 16 Uhr abzuholen.
Die Aussicht war, wenn auch nicht in 360 Grad, super und es war interessant die Stadt auch mal von oben zu sehen.

Nachdem wir eine kurze Pause im Hostel eingelegt haben ging es am gleichen Abend noch auf den China-Nachtmarkt. Wir stärkten uns mit einem guten, frisch auf dem offenen Feuer zubereiteten, Essen um uns dann in die Mengen zu begeben.
 
Nebenbei bemerkt: Außer des guten Essens hatten wir auch unseren ersten kulinarischen Fehltritt gehabt. Eine Fisch-Nudelsuppe hatte ein solch starken Fischgeschmack, dass wir beide nur die nötigsten Nudeln herausfischten um dann unbemerkt zu verschwinden (bevor hier Gerüchte herum gehen: bezahlt haben wir im Voraus!).
Zurück zum Chinamarkt: Die Atmosphäre war Klasse. Bunt beleuchtet, viele Waren, viele Menschen…gute Stimmung. Hier sind die Verkäufer aber auch etwas penetranter. Normalerweise lassen es sich die Malaien nicht nehmen dir Dinge deutlich anzubieten, doch sie akzeptieren auch ein „Nein“ und lassen dann, weiterhin freundlich, von dir ab. Auf dem Chinamarkt ging es aber schon etwas aktiver zur Sache. Wir schlugen uns aber erfolgreich durch die Maßen, müssen aber gestehen, dass wir etwas schwach geworden sind: Die Angebote waren so verlockend und nun sind wir um ein paar kleine Accessoires reicher.

Handeln macht hier besonders viel Spaß, denn mit ein wenig „Nerven“ kann man wirklich gute Preise erlangen. Ein neues Portmonai sollte mich zum Beispiel 130 Ringlet (26 Euro) kosten, dann wurden daraus 90 Ringlet (18 Euro) und im Endeffekt habe ich es für 40 Ringlet (8 Euro) erstanden. Und dabei sind wir uns ziemlich sicher, dass die Händler noch immer ein hervorragendes Geschäft gemacht haben.
Nach einer kurzen Nacht begann schon der nächste ereignisreiche Tag. Der erste Stopp waren die Batu Caves. Dies sind in einen Kalkfelsen geschlagenen Höhlen, welche eine Kultstätte der malaysischen Hindus darstellt. Zum Fuße der Felsen wird man von einer riesigen (42,7 Meter hoch) goldenen Statue empfangen.

Passiert man diese führen 272 Stufen hinauf zu der Haupthöhle.

Regelrecht besetzt ist die Treppe von freilaufenden Makaken-Affen. Diese frechen Äffen sitzen hier den ganzen Tag, um sich von den Touristen füttern zu lassen. Und wenn die Touristen sie nicht füttern wollen sind sie keck genug, um das Objekt der Begierde einfach aus den Händen der Besucher zu reißen. Was man dann sieht sind Affen, die aus einer Cola-Dose trinken, gemütlich ein Eis schlecken oder sich konzentriert ihr nächstes „Opfer“ aussuchen.
 
Schweißgebadet oben angekommen haben wir uns die Höhle angeschaut. Natürlich weiß man hier schon mit dem Tourismus umzugehen. Zwar muss man keinen Eintritt zahlen (währe auch doof für die Hindus, die aus religiösen Gründen vorbei kommen), doch wurde in der Höhle bereits ein Souvenir-Shop eingerichtet und ein professioneller Fotograf wartet darauf Touristen kostspielig zu fotografieren.

Am Abend des Tages stand dann noch etwas auf dem Plan: Die Frieflies in Kuala Selangor (nur so am Rande: „Kuala“ – in vielen Städtenamen verwendet – bedeutet nichts anderes als Flussmündung).
Um diese zu sehen bedarf es aber einer kleinen Reise. Ursprünglich planten wir in Kuala Selangor zu übernachten. Bei dem Gedanken unser gesamtes Gepäck mit schleppen zu müssen, um es am nächsten Tag wieder nach Kuala Lumpur zu transportieren entschieden wir uns aber dagegen.
Also doch abends hin und abends auch wieder zurück. Zwar werden zu den Fireflies auch Touren angeboten, doch wir entschieden uns die öffentlichen Verkehrssysteme noch etwas näher kennen zu lernen. Schließlich sind wir Individualreisende… .
Was wir aus unserem „schlauen Buch“ wussten: Der Bus fährt alle halbe Stunde, der letzte Bus fährt um 21 Uhr (ein anderen Reiseführer schrieb 19:45 Uhr), notfalls kostet eine Taxifahrt zurück 50 Ringlet (10 Euro), die Fireflie-Bootstour dauert eine Stunde und die erste findet um 19:30 Uhr statt.
Soweit zur Theorie. Die Praxis schaute so aus: Der Bus fuhr ungefähr alle 30 bis 60 Minuten (halt wenn er da ist), war dafür aber im Gegensatz zu andern Bussen relativ einfach zu finden. Die 60 km Fahrt dauerte gute 3 Stunden (wenn der „Stopp-Knopf“ gedrückt wird, wird auch SOFORT angehalten…und der Knopf wurde alle 500 Meter gedrückt). In Kuala Selangor angekommen ging es noch mit dem Taxi weiter zum Fluss.
Die Fireflies-Botte standen schon bereit und sobald es dunkel war setzten wir uns – zusammen mit unglaublich vielen Chinesen – in die kleinen Boote. Die Tour ging nur noch eine halbe Stunde, kostete dafür aber fairer Weise auch nur die Hälfte.

Mal abgesehen von den ständig redenden Chinesen war die Tour super schön. Die Fireflies sind nicht nur einfach „Glühwürmchen“, sondern es hängenden tausende von Ihnen in den Bäumen und fast alle blinken sie…in selben Rhythmus! Das ganze hatte eine wenig die Stimmung einer (warmen) Weihnacht, denn es hatte Ähnlichkeit mit blinkenden Lichterketten.
Fotos haben wir nicht gemacht – wären auch nicht so spektakulär geworden, wie das ganze in Wirklichkeit ist.
Die Tour war vorbei, wir wussten mittlerweile, dass KEIN Bus mehr zurück nach Kuala Lumpur fährt. Aber wir wussten ja auch, dass eine Taxifahrt nach Kuala Lumpur nur 50 Ringlet kostet… . Pustekuchen! Als wir unseren Taxifahrer ausfindig gemacht haben gab’s die harte Wahrheit: Nach Kuala Lumpur? Noch heute Abend? Niemals!
Wir fragten noch ein wenig herum. Die großen Tourbussen lehnten direkt ab, dürfen sie nicht machen. Mit der Hilfe zwei malaysischer Frauen gelang es uns im Endeffekt aber doch noch den Fahrer eines Hotel-Shuttels auszumachen. Gegen ein kleines „50 Ringlet-Dankeschön“ half er uns und schmuggelte uns zurück nach Kuala Lumpur.
Kuala Lumpur ist eine super Stadt! Wir wissen nicht genau warum, aber sie gefällt uns sehr. Vielleicht weil sie so kontrastreich ist, immer was los ist und so viele Kulturen aufeinander treffen… .