Archiv für Beiträge aus dem Monat Februar 2008





Freier Tag und Bärenjagd

Dienstag, 12. Februar 2008 um 22:36

Am Mittwoch haben uns unsere Arbeitgeber Belinda und Libro zum BBQ (Grillen) nach hause eingeladen. Wie fast jeder Australier haben auch die beiden einen professionelle BBQ im Garten stehen. Größer als ein Herd, mit Temperaturanzeige, Abdeckung und jeder Menge Platz für große Fleisch-Stücke!
Es gibt hier in Australien übrigens auch an fast jeden öffentlichen Platz (Campingplatz, Park etc.) einen solches BBQ. Oft mit Münzeinwurf oder auch kostenlos.

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Bild: Öffentlicher BBQ

Aber zurück zum Thema. An unserem gemeinsamen Grillabend empfahlen uns die beiden dass wir uns auch mal die Stadt Yarrawonga mal anschauen sollten…wenn wir dafür denn mal Zeit finden… . Am Freitag war es dann auch wirklich so weit. Nach der Arbeit teilte uns Libro mit, dass wir uns nach den 17 Tagen durcharbeiten auch mal einen „Day Off“ verdient haben.

Samstagmorgen, sechs Uhr dreißig: Aufgewacht. Scheiße…schon hell. Der Wecker hat nicht geklingelt. Haben wir verschlafen?! Ach ne….freier Tag. Gähn…noch mal umdrehen… .
 
Viertel vor neun. Jetzt wird’s aber Zeit, schließlich wollen wir ja auch etwas von unserem freien Tag haben. Schnell fertig gemacht und ab ins Auto gesprungen. Unser morgendliches Frühstücks-Toast bleibt heute mal verpackt. Zur Feier des Tages gönnen wir uns ein Frühstück in unserem LieblingscafĂ©. Danke an unseren „Trostpflaster-Spender“ ;)

Als erstes fahren wir nach Yarrawonga – schließlich wollen wir uns ja auch anschauen, was uns unsere Arbeitgeber so empfehlen.

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Yarrawonga ist nur knapp 20 Minuten von Cobram entfernt und liegt direkt an einem See. Alleine das macht die Stadt attraktiv. Endlich mal wieder Wasser (okay, Cobram hat einen großen Fluss, aber ein See ist halt was anderes). Die Hauptattraktion der Stadt liegt auch mitten in dem besagten See. Ein riesiger toter Wald befindet sich hier und es hinterlässt eine mystische Stimmung, als wir am Ufer steht und uns die schwarzen Baumstümpfe anschauen.

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Am idyllischen Ufer sind mal wieder eine Menge Kakadus zugange. Die Bäume sind überseht mit den Tieren und diesmal kommen sie auch nicht ohne ein Foto davon.

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Nach der ganzen Idylle geht es für uns schon weiter. Die Geschäfte haben zu Tonis Enttäuschung schon geschlossen, aber das große Eis entschädigt dies schnell.
Und dann geht es auch schon weiter. Wir fahren Nach „Ulupna Island“, eine kleine Flussinsel ganz in unserer Nähe, die berühmt für die Bärenjagd sein soll….so erzählte man es uns im Informationszentrum.

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Bärenjagd? Natürlich nur mit den Augen und vom „jagen“ kann man eigentlich gar nicht wirklich sprechen. Eher von „Suchen“, denn Koalas sind weniger am weglaufen als am schlafen interessiert. Also geht es mit Hoppa (so nennen wir liebevoll unser Haus und Auto) im Schritttempo durch den uns empfohlenen Gummibaum-Wald. Stets mit einem Auge in den Bäumen und mit dem anderen Auge auf der „Weg“ – wir sind uns nicht ganz sicher, ob dieser holprige Waldweg nicht besser mit einem Vierrad-Antrieb zu passieren ist.

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Es läuft aber alles bestens und nach kurzer Zeit sehen wir auch den ersten Koala auf einem Baum dösen. Dann der nächste…und hier noch einer.

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Mit jedem Meter, den wir tiefer in den Wald hinein fahren sehen wir mehr Koalas. Natürlich sind sie alle am schlafen und gucken eher unmotiviert auf uns herab. Nur ab und ab hört man eins der Männchen brüllen. Gar nicht übel für so ein kleinen „Teddybären“ – klingt nach einer Mischung aus Schwein und Löwe. Antonias Ansicht nach haben sie ein wenig von den Gremlins; diesen kleinen Monstern aus dem gleichnahmigen Film, die man nicht nach Mitternacht füttern darf und die nicht mit Wasser in Berührung kommen sollten. Oder von diesen kleinen Tierchen in Star Wars…vielleicht wurden sie ja dem Koala nachgeahmt?!

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Insgesamt sehen wir an diesem Abend über 20 Koalas. Ein guter Tag und so beschließen wir, als wir das Ende des Waldweges erreichen, nach hause zu fahren.

Ach, fast was vergessen. Wir haben auch einen super coolen Baum gefunden…oder zumindest das, was davon übrig geblieben ist. Die Bilder wollen wir euch auch nicht vorenthalten.

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Beitrag aus Australien
von Antonia und Jan





Berufsrisiken in Australien

Donnerstag, 7. Februar 2008 um 22:54

Nachdem ich jetzt ja schon beim Früchte pflücken von der fast vier Meter ( ;-) ) hohen Leiter gefallen bin (der Jan hat gesagt ich übertreibe, seien nur 2,30 Meter oder so gewesen. Aber wenn er die Blauenflecken davon hätte tragen müssen, wäre die Leiter für ihn vielleicht auch ein wenig gewachsen), hab ich jetzt auch glatt schon meine nächste gefährliche Erfahrung hier unter machen müssen.
Während ich in meinem vollkommen routinierten „Nektarinen aus der Trommel greifen“ in meine Kiste schaute, um die Nektarinen ein zweites Mal überprüfen, entdeckte ich eine Spinne!! Es gab einen kurzen Schrei und ich hatte die ganze Aufmerksamkeit des Schuppens. Total souverän und als ob er es jeden Tag macht, nahm Jan die Nektarine auf der die fürchterliche Spinne saß und drückte sie tot (die Spinne…nicht die Nektarine).

Puh…Schwein gehabt. Unverwechselbar durch den weißen Punkt auf dem Rücken konnte sie schnell von unseren Arbeitgebern identifiziert werden: Es war eine White-tailed Spider.  Dieses ein-zentrimetrige Monster war uns auch schon mal auf der Suche im Internet nach „den gefährlichsten Tieren Australiens“ begegnet. Bin also dieses Mal glücklicherweise mit dem Schrecken davon gekommen. Die White-tailed Spider zählt zu den giftigsten Spinne Australiens. Wir haben keine Ahnung wie mein kleiner Freund das lustige Waschprozedere überstanden hat, aber normalerweise übersteht kein Tier die Waschanlage.
Und überhaupt sehen die Australier das ganze viel lockerer. Ein kurzes lachen mit dem Satz „Hey, Antonias first white-tailed“ und schon war das ganze vergessen.
 


Beitrag aus Australien
von Antonia





Einen Tag mit uns in Cobram!

Montag, 4. Februar 2008 um 22:34

20 Minuten vor Sieben. Der Wecker klingelt… . Puah - Aufstehen ist hier nicht anders als in Deutschland. Zwar ist es hier im Gegensatz zum momentanen Klima in Deutschland morgens ein wenig wärmer (um die 15 Grad) und schon hell, aber als Langschläfer will man ja auch seinem Namen treu bleiben. Zumindest können wir nach Sonnenaufgang aufstehen. Das war anders, als wir noch Früchte gepflückt haben. Da wurde mit dem ersten Sonnenstrahl auch der erste Pfirsich vom Baum gerupft…und wir mussten um kurz nach fünf aufstehen… .

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Jetzt aber nicht mehr…also raus aus dem Bett. Schnell unter die Dusche, gemütlich gefrühstückt, Mittagessen vorbereitet und Zähne geputzt. Oh…schon viertel vor Sieben. Wie jeden morgen wird’s auf die letzten Minuten etwas stressig bei uns. Also ab ins Auto und los. Die zehn Kilometer zur Arbeit wird die Musik laut aufgedreht. Zum wach werden…und weil es auf der Arbeit keine Musik gibt…die würde die Geräuschkulisse zu sehr verstärken.

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Zwei Minuten vor Acht. Pünktlich wie die Maurer…oder „Pünktlich wie die Packer“ kommen wir an dem Schuppen an, in der sich hunderte von Kartons mit der Aufschrift „LBM Mustica Orchads“ stapeln. Orchads heißt grob gesagt soviel wie Plantagen. Mustica ist der Familienname und LBM die Familieninitialyen: Libro und Belinda Mustica.

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Meist werden wir als erstes von Nikita begrüßt. „Nicky“ ist der Hofhund und ein Feinschmecker, was Steinfrüchte angeht. Pfirsiche gehen gar nicht…aber Nektarinen durchaus…da aber auch nur die weißen. Die gelben sind ihr wohl zu süß….

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Im Schuppen wartet schon Libro auf uns. Libro, 29 Jahre alt, in Australien geboren und mit italienschen Vorfahren, ist Chef des Familienunternehmens und jetzt zur Hochsaison fast ausnahmslos am Arbeiten. Sein Arbeitstag beginnt in der der Regel um fünf oder sechs Uhr morgens und geht nicht selten bis Abends um neun…und das sieben Tage die Woche. Unter Strom läuft er durch die Halle. Das Herzstück des Familienunternehmens muss justiert werden. „Herzstück“ ist hier die Wasch- und Sortiermaschine. Das Prinzip ist einfach….die Früchte kommen in so genannten „Bins“ direkt vom Feld zu uns. Jeder Bin wiegt gute 200 kg und fast zwischen 1000 und 2000 Früchte, mit welchen die Maschine gefüttert wird.

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Nun werden sie als erstes ordentlich gewaschen und dann in der ersten Stufe von Blättern getrennt. Danach werden sie gewogen und anhand des Gewichts wird vollautomatisch die Fruchtgröße ermittelt. Hierdurch ist es möglich die Früchte in die verschiedenen Sammeltrommeln auszuwerfen, wo endlich wir zum Einsatz kommen.

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Unglaublich, aber wahr….jeder Pfirsich, jede Nektarine und jede Pflaume wird per Hand gecheckt. Das heißt wir heben jede Frucht aus der Sammeltrommel, checken sie nach Oberflächenschäden, korrekte Größe und weichen oder schimmeligen Stellen. Und dementsprechend wird gepackt: High-Quality Früchte in Kartons mit Plastik-Abtrennung, Quality-Früchte in 10 oder 13 Kilo-Boxen, Second Class Früchte für Discount-Märkte…oder halt als Schweinefutter zurück in die Bins.
Jeder Packer verpackt in acht Stunden bis zu 10.000 bis 12.000 Früchte…das sind ungefähr drei Früchte pro Sekunde. Nach Belieben und Notwendigkeit können wir die Sammeltrommeln wechseln und so die Arme ausgeglichen belasten… .

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Um 10 gibt es eine 10-minütige Frühstückspause, um 12 geht es zum Lunch und Arbeitsende ist erst dann, wenn die Tagesaufträge erledigt sind. Oft unter hohen Zeitdruck, denn die Trucks kommen noch am selben Tag. Oft wird „Just in Time“ gepackt. Gerade fertig, wenn der Truck vorfährt… .

Heute haben wir um 17 Uhr unser Soll erfüllt. Libro gibt uns und Azubi David noch eine Runde Whisky-Cola aus. Seine Frau Belinda macht sich schon auf dem Weg nach Hause. Sie ist im siebten Monat schwanger, arbeitet ebenfalls sieben Tage die Woche und jetzt wartet Sohn Michael zuhause auf sie. Für Libro wird’s heute auch ein kurzer Tag. Er muss nur noch auf den Truck warten, welcher im laufe des Abends eintreffen soll, der eine Ladung Früchte nach Melbourn bringen soll.

Für uns geht es noch zur Bücherei. Glück gehabt – es ist noch ein Internet-Rechner frei und wir können unsere Mails checken. Zwar haben wir auch – wo auch immer es herkommt – Wireless LAN auf dem Campingplatz, doch ist dieses nicht wirklich zuverlässig. Nach den Mails noch schnell in den Supermarkt das Mittagessen und ein wenig für heute Abend eingekauft und bloß schnell nach Hause. Hier geht es gleich wieder ins australische Leben über. Die Australier lieben Small Talk…und so kommt jeder Nachbar im Laufe des Abends mal vorbei, um ein wenig über Gott und die Welt zu palavern. Den Abend lassen wir ruhig ausklingen. Wie fast jeden Abend gibt es Nudeln oder Bratkartoffeln. Das ist günstig und gibt uns die Kraft am nächsten Tag wieder tausende von Nektarinen zu verpacken…stets mit der feste Überzeugung die weltweite Pfirsich- und Nektarinenversorgung einen weiteren Tag aufrechterhalten zu haben.

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Achja…das ganze machen wir noch bis Anfang April. Und das ganze sieben Tage die Woche, acht bis neun Stunden die Woche. Wow, das sind bis zu 60 Stunden Arbeit die Woche… .


Beitrag aus Australien
von Antonia und Jan

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© Jan Sebastian K. & Antonia Trewendt