Delfin oder Hai?
Nächster Tag, nächstes Abenteuer! Was steht als nächstes auf dem Plan? Ein kurzer Blick auf den Straßenatlas und wir wissen, dass es heute nach „Monkey Mia“ geht. Monkey Mia, gelegen am so genannten „Shark Bay“, ist weltweit dafür bekannt, dass hier seit den frühen 60igern Delfine an den Strand kommen, um sich aus der Hand füttern zu lassen. Weniger bekannt, dennoch unbedingt zu erwähnen ist, dass die Shark Bay aufgrund ihrer Vielfalt an seltenen Tieren (über und unter Wasser) seit 2006 zum Weltkulturerbe gehört. Im Rahmen des „Projekt Eden“ wurde das komplette Areal umzäunt und alle aus Übersee „importierten“ Tiere und Pflanzen entfernt. So ist ein 1050 Quadratkilometer großes Stück „echtes Australien“ entstanden, in dem die australischen Tiere leben, die normalerweise durch die importierten Tiere vertrieben werden. Zum Beispiel das Thermometerhuhn (das einzige Tier, von dem wir auch die deutsche Übersetzung kennen), Bilbies, Echidnas, Woylies, Bungarras und viele mehr.
Auf dem Weg dort hin regnet es viel. Merkwürdig, soll doch so eine trockene Gegend hier sein. Auch die Straßen sind teilweise schon ein wenig überflutet. Aber egal…so lange die Straße noch zu sehen ist: Keep going, Hopper!
Knappe 50 Kilometer vor der Shark Bay sammeln wir noch „Smithy“ ein. Smithy und seine zwei Kumpel sind auf den Nachhauseweg mit dem Auto liegen geblieben. Mitnehmen können wir aber nur einen – mehr Platz haben wir nicht. Mehr liegend als sitzend (unser Auto ist VOLL!) war nun also für die nächsten Kilometer Smithy unser Gesprächspartner: Ursprünglich komme er aus Perth, doch seit 10 Jahren lebt er hier in der Shark Bay…mit seinem Bruder hat er sich ein mittelgroßes Fischerboot gekauft und versorgt die Region mit frischem Fisch. Nach einer unterhaltsamen und lehrreichen Fahrt (Seekühe sollen hervorragend schmecken!
) kommen wir am Shark Bay an. Als Dank für die Mitfahrgelegenheiten macht Smithy mit uns eine kleine Sightseeing-Tour und schmeißt uns eine Palette Whisky-Cola ins Auto – wow…damit haben wir nicht gerechnet!
Die Suche nach einem geeigneten Platz zum Übernachten stellt sich als nicht ganz so einfach dar. Der starke Regenfall hat viele Seitenstraßen unbefahrbar gemacht. Unser Auto macht sich eine Weile gut als „Geländewagen“, doch einige Straßen sind einfach zu matschig bzw. zu sehr überflutet. Einen guten Platz finden wir irgendwann aber doch und fallen einen tiefen Schlaf.
Am nächsten morgen informieren wir uns erst einmal ein wenig über den Namen „Shark Bay“ – schließlich ist das kein sonderlich einladender Name. Wir erfahren eine Menge über die Unterwasserwelt hier. Neben den Delfinen gibt es hier auch Wasserschildkröten und Seekühe. Sogar jede Menge Seekühe. Shark Bay hat die weltweit größten Seegras-Felder und diese gehören zufällig zur Leibspeise der Seekühe. Das ganze in Zahlen: Jede zehnte Seekuh lebt hier!
Aber der Name „Shark Bay“ kommt nicht von den Seekühen, sondern wie befürchtet von den Haien. Auch die fühlen sich hier pudelwohl (wir haben ja bereits gelernt, dass Seekühe hervorragend schmecken sollen) und darum leben hier auch gleich 16 verschiedene Arten. Vom Nervous Shark (wie ist die deutsche Übersetzung? Nervöser Hai?), über Tigerhaie, Hammerhaie bis hin zum großen weißen Hai! Als wir später auch noch ein Informationsschild über den Tigerhai in der Stadt entdeckten, auf dem im Schlusssatz darauf hingewiesen wurde, dass Tigerhaie auch Menschen angreifen, ist die Badelust plötzlich weg.
Aber wir haben ja auch noch nicht die Delfine gesehen! (wird Zeit für ein paar Bilder, was? Naaaguuut!)
Der ganze Spuk mit dem Delfin-Fütter-Strand begann in den frühen 60iger Jahren, als ein Fischer Delfine vom Boot aus Fütterte. Später gab es den Fisch aus der Hand vom Bootsanleger und heute, gute 45 Jahre später, kommen die Delfine direkt an den Strand. Schätzungsweise 900 Delfine leben hier in der Shark Bay, wovon täglich 2 bis 20 zum Frühstück vorbei schauen. Zum Schutz der Tiere werden die Fütterungen mittlerweile streng kontrolliert. Es finden nur noch drei Fütterungen am Tag statt und es gibt für jeden Delfin maximal 2 Kilogramm Fisch. So ist gewährleistet, dass die Tiere das Jagen nicht verlernen. Für Jungtiere gibt es keinen Fisch, die sollen das Jagen erstmal lernen. Kontrolliert wird das Vorgehen von Rangern, die die Delfine nicht nur sehr gut kennen, sondern auch in kurzer Zeit anhand der Rückenflossen (diese sind alle ein wenig „angeknappert“) identifizieren können.
Das ganze läuft dann so ab: Man setzt sich an den Strand und wartet bis ein Delfin Hunger bekommt. Das ist normalerweise gleich um 07:30 Uhr. Das zweite mal nur wenige Minuten nach der ersten Fütterung. Und as Dritte mal irgendwann im Laufe des Vormittags!
Wenn man nicht so oder so schon die ganze Zeit aufgeregt im Wasser rumsteht bewegt man sich nun dort hin. Ein Ranger ist auch gleich zur Stelle und während die Delfine um die Beine der Touristen schwimmen gibt es erstmal ein interessantes verbales Informationspaket zum Leben der Delfine.
Sobald alle Delfine identifiziert sind geht es dann los. Jeder Delfin hat hier einen eigenen Eimer, welcher gefüllt mit den Fischen herangetragen wird. Und dann werden nach und nach aus dem Publikum Leute heraus gepickt, die dem Delfin einen Fisch geben dürfen. Wir haben Glück, es ist noch immer sehr regnerisch und somit sind nicht so viele Leute hier…und wir haben beide die Möglichkeit einem Delfin ein Fisch in den Mund zu stecken.
Auch die Pelikane werden hier gefüttert. Weniger aus Freundlichkeit – mehr aus der Not hinaus, denn die Pelikane sind neidisch und wenn der „Pelikan-Eimer“ zur Ablenkung herausgeholt wird sind die Pelikane so darauf fixiert, dass sie keine Zeit haben den Touristen die Delfin-Fische aus der Hand zu reißen.
Es macht unglaublich viel Spaß und ist ein super Erlebnis die Delfine so nahe und deutlich zu sehen. Wie sie sich auf die Seite legen, um die Menschen anzuschauen, wie sie herumtollen oder einfach nur auf ihr Fressen warten!
Später setzen wir uns noch an den Strand. Es regnet zwar, doch das macht nichts, denn wir haben uns was vorgenommen. Neben uns liegen Schnorchel, Masken und Flossen. Auch die zwei Engländer, die wir bei der Fütterung kennen gelernt haben, gesellen sich mit demselben Vorhaben zu uns. Mittlerweile haben wir mehr über die Haie erfahren – das Wasser sei mittlerweile kälter (für uns noch immer schön warm) und die meisten Haie seien in wärmere Gewässer gezogen. Hier macht sich keiner Sorgen um Schwimmer! (Anderer Spruch: Die Haie haben hier genug zu fressen, die brauchen keine Menschen mehr.)
Unser Schnorchelvorhaben gestaltete sich aber recht kurz. Das Wasser ist zu trüb und ungemütlich. Wir entscheiden uns am nächsten Tag wieder zu kommen. Volltreffer!
Heute ist das Wetter super! Extrem Warm, klares Wasser, viel mehr Delfine. Neben einer weiteren Fütterung ist unser absolutes Highlight das Schwimmen mit den Delfin-Babys. Da diese ja nicht gefüttert werden, tollen sie am Nachbarstrand (da, wo auch geschwommen werden darf) herum und versuchen auf eigene Faust den einen oder anderen Fisch zu fangen. Ein aufregendes Erlebnis…die Delfine schwimmen nur wenige Zentimeter von uns entfernt und schauen uns neugierig an. Dabei schwimmen sie nicht mit Höchstgeschwindigkeit (wie damals beim Delfin-Schwimmen in Neuseeland), sondern stets so, dass wir uns gegenseitig unter Wasser beobachten können.
[Im Video seht ihr die Delfine kurz vor der Fütterung]
| Klicke hier um das Video anzuschauen! |
Nach einem kleinen Sonnenbad geht es für uns ein paar Kilometer weiter südlich. Hier ist eine Aussichtsplattform und wir finden den Beweis, dass „Shark Bay“ wirklich nach seinen Bewohnern benannt ist.
Auch wenn wir leider keine Seekühe oder seltene Landlebewesen gesehen haben, war dieser Ausflug ein voller Erfolg für uns. Mit einem breiten grinsen verlassen wir Monkey Mia – zu schön war es die Delfine so nahe zu sehen.
Lunch gibt es am „Shell Beach“ – ein Strand, welcher aus nur aus Muscheln besteht. Alle Muscheln, die hier in der Bucht sterben werden an diesen Strand getrieben und so ist über die Jahre ein kilometerlanger Strand entstanden, bei welchen man auf einer 3-Meter dicken Muschelschicht sitzt.
Achso…zu der Frage im Titel – Delfin oder Hai? Ein Delfin bewegt seine Schwanzflosse auf und ab….der Hai von links nach rechts. Also das nächste Mal beim Baden gut hingucken! ![]()
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