1 Nov 2011

Mega-Flut erreicht das Zentrum von Bangkok

Geschrieben von Jan


Mega-Flut erreicht das Zentrum von Bangkok“ – so wurde vor einigen Wochen von einer einschlägigen Tageszeitung über die Situation hier berichtet. Für uns etwas überraschend, schließlich war zu diesem Zeitpunkt außer durch die allabendlichen Regenschauer kein Wasser auf den Straßen zu sehen. Die internationalen Medien haben die Flut ordentlich ausgeschlachtet und schon zur Katastrophe deklariert, bevor sie eine Katastrophe war.

Real war die Flut aber dennoch – nördlich von Bangkok türmten sich die Wassermassen. Extreme Niederschlagswerte füllten die Flüsse und um Bangkok vor den Fluten zu schützen wurden alle Dämme geschlossen, was zur Folge hatte, dass nördlich von Bangkok riesige Regionen überschwemmt wurden. Insbesondere Ayutthaya traf es schwer – die Straßen sind teilweise über zwei Meter überflutet und lieferten perfektes Bildmaterial für oben erwähnte Tageszeitung, welche dieses mit der Bildunterschrift „Bangkok geht  unter“ publizierte. In Wirklichkeit war es in Bangkok aber weiterhin trocken. Da Wasser aber nicht von alleine verschwindet (und irgendwann versickert auch nichts mehr), insbesondere wenn starke Regenfälle ständig für Nachschub sorgen, wurde es auch für Bangkok kritisch.

Leichte Überschwemmung in der Innenstadt

Einige äußere Bezirke der Stadt wurden überflutet und mit dem steigenden Wasserspiegel stiegen auch die Hamsterkäufe. Als dann auch noch die Fabriken der ersten Lebensmittelhersteller überflutet wurden und die thailändische Regierung sowie die thailändischen Medien nur spärlich Informationen verbreiteten, siegte die Ungewissheit: Die Supermärkte wurden leer gekauft, Sandsäcke gestapelt, Wasserschutzwände gemauert und Schwimmwesten wurden zum Luxusgut.

Leere Regale im Supermarkt

Zu diesem Zeitpunkt war die Flut bereits die schlimmste Flut seit 50 Jahren und mit über 400 Todesopfern, hauptsächlich im Norden Thailands, ist es sicher nicht verkehrt entsprechende Vorkehrungen in Form von Vorräten zu treffen. Zum letzten Oktoberwochenende dramatisierte sich die Lage – neben den aus dem Norden eintreffenden Wassermassen wurden auch Flutungen von Meeresseite erwartet: Viele Menschen flüchteten aus Bangkok und die Regierung rief „nationalen Sonderurlaub“ aus. Einige flussnahen Innenstadtbereiche Bangkoks wurden teilweise überschwemmt und auch der Inlandsflughafen (wohlbemerkt aber nicht der große internationale Flughafen) wegen Überschwemmung aufgegeben. Die Flut ist offensichtlich da – das Leben geht weiter, die Menschen begegnen einem weiterhin mit einem Lächeln auf der Straße….und besonders bemerkenswert ist die große Hilfs- und Spendenbereitschaft.

Stahltore schützen die U-Bahn

Improvisierter Flutschutz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch wir suchten uns Möglichkeiten zu helfen: Zusammen mit Freunden unterstützten wir an einem Tag eine Hilfsorganisation dabei „Wasseraufbereitungs-Bälle“ herzustellen. Diese sogenannten „EM-Balls“ bestehen aus Reisgranulat und irgendwelchen verrückten Mikroorganismen. Diese werden zusammengekippt und so lange geknetet bis sich ein handlicher Ball formen lässt. Ein jeder solcher Ball ist dazu geeignet vier Kubikmeter Wasser aufzubereiten – hierbei geht es allerdings nicht darum Trinkwasser aufzubereiten, sondern viel mehr soll das Flutwasser von gefährlichen Keimen und Bakterien befreit werden, um so Seuchen zu vermeiden.

An zwei weiteren Tagen machten wir uns als „Verpacker“ nützlich – verschiedene Rationen an Essen, Medikamenten und Hygieneartikeln wurden zusammengestellt und von uns in Tüten verpackt. Sicher nicht das letzte Mal, dass wir uns an solchen Projekten beteiligen…

 

EM-Balls kneten

Mückenschutz verpacken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Soweit, so gut….momentan sieht die Lage so aus, dass wieder niemand so wirklich weiß was passiert. Voraussichtlich wird sich Bangkok noch auf viel weiteres Wasser einstellen müssen und auch die Supermärkte werden noch eine Weile leer bleiben. Diese ist eine sehr schwere Zeit für all diejenigen, die direkt mit ihrem Eigentum von der Flut betroffen sind, oder nicht in der Lage sind sich eine entsprechende Sicherheit in Form von Essensvorräten und Hygienemöglichkeiten sicherzustellen. Es ist aber schön zu sehen, dass in Thailand die Menschen so sehr zusammen halten und sich gegenseitig helfen so gut sie nur können.

Für uns persönlich ist die Lage nicht sonderlich kritisch – im Stadtzentrum und in unserem Viertel werden maximal leichte Überschwemmungen erwartet und für den Fall der Fälle sind wir mit Vorräten ausgestattet, mit welchen wir gut zwei Wochen auch abgeschnitten von der Zivilisation versorgt sind.

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5 Kommentare zu “Mega-Flut erreicht das Zentrum von Bangkok”

  1. Ihr selbst habt Lebensmittel und Wasser für zwei Wochen in Eurer Wohnung *staun*?

     

    Philipp

  2. <- nichts anderes habe ich erwartet ;)

     

    Paulie

  3. EM Kulturen bekommt man auch in Deutschland- Findet man wohl aber eher bei den Ökos… :)

     

    Marta

  4. Haha, ja…erstaunlich… :P

     

    Jan

  5. Was macht man denn in Deutschland damit?

     

    Jan

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