28 Feb 2012

Reise in die Vergangenheit: Myanmar

Geschrieben von Jan


Fünf Uhr morgens – der Wecker klingelt: Nach ein paar Abschiedsbierchen am Vorabend haben wir mal wieder nur vier Stunden leichten Schlaf bekommen und quälen uns nun zu dieser unmenschlichen Zeit aus dem Bett. Aber eigentlich ist es diesmal gar nicht ganz so schlimm, denn heute ist ein besonderer Tag: Unsere Reise geht los!

Also schnell unsere Sachen gepackt (den Großteil unseres Hab und Guts haben wir bei Joy untergestellt), ab zum Flughafen und Abflug. Nächster Stopp: Yangon, Myanmar!

 


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…okay, Myanmar – ich denke dazu muss noch kurz etwas geschrieben werden: Myanmar ist das westlich an Thailand angrenzende Land. Häufig wird noch der Name „Burma“ oder „Birma“ verwendet, offiziell aber wurde das Land im Jahre 1989 durch das herrschende Militär unbenannt. Einige Staaten, federführend die USA, weigern sich aber den neuen Namen anzuerkennen und drücken so Ihren Protest gegenüber der Militärherrschaft aus.

Nun, die seit 1962 herrschende Militärherrschaft und den damit verbundenen politischen Unsicherheiten, Versorgungsengpässen, der gesellschaftliche Zerrüttung und der durch und durch schlechten bzw. nicht existierenden Infrastruktur ließ Myanmar wirtschaftlich, gesellschaftlich und touristisch stagnieren. Kurz: Hier hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht viel getan!

Im Februar 2011 aber schlug Myanmar einen anderen Weg ein – das Militär setzte einen zivilen Staatsoberhaupt ein. Seit dem hat sich vieles geändert: Politische Gefangene werden freigelassen (unter anderen die Freiheitskämpferin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, seit 15 Jahre unter Hausarrest), internationale Gespräche wieder aufgenommen und die Militärpräsenz wieder zurück geschraubt. Für die Burmesen ist das ein riesiger Erfolg und für uns der Auslöser das Land als Tourist zu besuchen. Uns dabei aber stets wichtig: Keine bzw. möglichst minimale  Ausgaben an Staatsunternehmen. 

Gelandet, Gästehaus aussuchen und los geht es! – ach, ne…da war ja noch was: Geld! Denn in Myanmar gibt es diesbezüglich (noch) etwas zu beachten. Die offizielle Währung in Myanmar ist der Kyat (Hotels und Eintrittsgelder werden aber in US$ gezahlt). Da diese nicht aus dem Land ausgeführt werden darf, ist sie auch nur in Myanmar erhältlich. Es gibt allerdings im ganzen Land nur fünf Geldautomaten (alle in Yangon), welche allerdings über keine internationale Datenanbindung verfügen und dadurch nutzlos für alle Ausländer sind. Es muss also die gesamte Reisekasse mit nach Myanmar gebracht werden und vor Ort in Kyat getauscht werden. Der offizielle Kurs ist 1 $ = 6,45 Kyat – existieren tut dieser aber nur auf dem Papier…in Realität sieht es so aus, dass Geld nur selten in einer Bank getauscht wird, sondern bevorzugt auf dem Schwarzmarkt…zu eine deutlich besseren Kurs:  1$ = 800-850 Kyat.

Beim Geldwechseln

Also erst mal auf den Schwarzmarkt, Geld tauschen – irgendwie fühlt man sich wie ein Crack-Süchtiger der auf der Suche nach neuem Stoff ist, wenn man mit gedämpfter Stimme im dunklen ersten Stock der Markthalle umher läuft und einen der herumlungernden Männer fragt, ob er denn Dollar wechseln kann. Der Deal ist dann aber doch schnell arrangiert und schon bald sitzen wir mit Geldbündel gefüllten Taschen im Straßenkaffee und versuchen uns an unserem ersten burmesischen Kaffee. Unsere Begleitung, Jürgen, haben wir übrigens im Flugzeug kennen gelernt und wie sich später zeigte, reisen wir die ersten drei Trage gemeinsam durch Myanmar.

 

Burmesischer Kaffee

Straßenkaffee

 

 

 

 

 

 

 

 

Unsere ersten Eindrücke sammeln wir in Yangon – die zwei Haupteindrücke sind eigentlich schnell in Worte gefasst: „Zeitreise“ und „Freundlichkeit“. Man fühlt sich ein wenig wie auf einer Zeitreise, denn vieles ist hier nicht „up-to-date“: Es fahren alte Autos, teilweise sogar noch Pferdekutschen, auf den Straßen, es gibt kaum Straßenbeleuchtung und viele „Straßen“ sind einfache Sandwege mit einem Haufen Schlaglöchern. Nur wenige Häuser verfügen über ein Telefon und am Straßenrand findet man öffentliche Waschplätze, da es in vielen Häusern keine Bäder gibt. 

 

Verkäuferin

Öffentliche Telefone

 

 

 

 

Öffentliche Badewanne

 

Haupteindruck Nummer zwei, die Freundlichkeit, zeigt sich uns unseren gesamten Trip über: Ständig werden wir auf der Straße angesprochen: „Where are you from?“. Anfänglich etwas kritisch (was will der uns wieder verkaufen?) stellen wir schnell fest, dass die Menschen wirklich nur Interesse an den Ausländern haben und wirklich nur wissen wollen wo wir herkommen. Viele versuchen eine kleine Unterhaltung mit uns zu führen oder zeigen uns wie selbstverständlich was sie denn gerade machen.

Burmesisches Muschel Spiel

Freundliche Burmesen

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Angewohnheit vieler Burmesen ist das Kauen von Betelnüssen – ein durchaus gewöhnungsbedürftiger Anblick, denn ein Betelnuss-süchtiger Burmese sieht beim Lachen aus, als ob er sich gerade die Zunge abgebissen hat: Langer Betelnuss-Konsum regt den ständigen Speichelfluss an und der Mundraum verfärbt sich rot…das Lächeln wird zum scheinbaren Blutbad. Die Wirkung der Betelnuss wird als „Zustand des Wohlbefindens und leichter Angeregtheit“ beschrieben. Ich lass mir eine zubereiten (Gehackte Betelnuss + Betelblatt + flüssiger Kalk + diverse Gewürze) und probiere. Während die Burmesen diese kleinen Betel-Päckchen durchaus für mehrere Stunden im Mund behalten, reicht mir eine Minute. Der Geschmack war OK, doch hatte ich den ständigen Drang zu schlucken und davor wird beim Betelkonsum abgeraten. Naja, zumindest habe ich es versucht.

Einer der unzähligen Betel-Stände

 Am nächsten Tag schauen wir uns noch eine paar Pagoden an – ganz besonders die Shwedagon Pagode, welche als wichtigste Pagode Myanmars und die bekannteste Pagode weltweit gilt. Das gesamte Gelände ist mit Gold, Diamanten, Rubinen und Saphiren geschmückt und ist zum einen wunderschön und eindrucksvoll, zum anderen aber paradox, wenn man an die Armut und den geringen Entwicklungsstand des Landes denkt.

Shwedagon

 

Wir vor der Shwedagon Pagode

 

 

 

 

Shwedagon

 

 

 

 

 

Shwedagon-Mönche

 

Noch am selben Abend geht es mit dem Nachtbus nach Mandalay. Mandalay, Myanmars zweitgrößte Stadt, ist mit seinen knapp zwei Millionen noch eindrucksvoller als Yangon. Trotz ihrer Größe sieht sie nicht da Großstadt aus: Kaum ein Haus ist mehrstöckig, nur wenige Straßen sind geteert und Straßenbeleuchtung ist  eine Seltenheit. Wir sind fasziniert, am nächsten Tag leihen wir uns ein Motorroller aus – über Umwege, ein Angestellter von Jürgens Hotel lieh uns seinen Roller und trieb irgendwo noch einen zweiten auf. Das eigenständige Umherfahren gibt uns die ideale Möglichkeit das Leben in und außerhalb von Mandalay kennen zu lernen. Wir besuchen auch die „alten Städte“ um Mandalay herum, wo es zwar anfangs etwas touristischer wurde, mit Abfahrt der Touristenbusse aber touristenfrei. Neben dem Besuch der alten Städte fahren wir noch viel in der Umgebung herum, die absolut touristenfrei ist und uns einen tiefen Einblick in das Leben der Burmesen ermöglicht.

 

 

 

 

 

  

Der nächste Nachtbus soll uns nach Bagan führen – eine kleine Stadt süd-westlich von Mandalay. Angekommen am Busbahnhof werden wir zu einem alten, klapprigen Bus geführt…wir sind unsicher, ist das unser Bus…und wird der die Strecke schaffen? – Ja, wir kommen in Bagan an…doch die Fahrt war ein kleiner Akt. Die Strecke war nur 200-250 km, doch die Fahrt dauerte gute 10 Stunden. Und das nicht etwa wegen dem Zustand des Busses oder dem Verkehrsaufkommen, sondern einzig und alleine aufgrund des Zustandes der „Straßen“, wenn man diese so nennen mag. Beinahe die gesamte Strecke war eine löchrige Sandpiste. Zu unserem Übel wurde hier auch noch „ursprünglich burmesisch“ gereist: Der komplette Innenraum war mit Reissäcken ausgelegt, sodass man beim Sitzen die Beine an die Brust ziehen musste. Darüber hinaus saßen auch im Gang des Busses dicht an dicht Menschen, sodass die gesamten 10 Stunden Fahrt jegliche Art von Bewegung unmöglich war. An Schlaf war nicht zu denken – aber irgendwann erreichten wir, von einer dicken Sandstaubschicht bedeckt, Bagan.

Unser Bus

 

Bagan ist berühmt für seine Vielzahl an Tempelruinen – um es etwas zu konkretisieren: Über einen Bereich von knapp 35 km² sind hier über 2000 Tempel zu finden. Für eineinhalb Tage mieten wir uns Fahrräder und fahren durch die beeindruckende Kulisse, klettern auf die Tempel, lassen uns von den uralten Buddha-Statuen beeindrucken und genießen den Anblick als die Tempel in der Abenddämmerung verschwinden. Einige der großen Tempel sind doch schon sehr touristisch, was aber nicht weiter tragisch ist: Es gibt ja genug von ihnen und so fahren wir einfach zum nächsten. 

Tempelruinen

Bei Sonnenuntergang

 

 

 

 

 

Tempelerkundung

Tempel Tour mit Toni

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unser nächster Stopp sollte der Inle See sein – noch immer etwas gerädert durch unsere letzte Busfahrt sind wir etwas abgeschreckt von der 12-stündigen Fahrt dorthin. Im Endeffekt entschließen wir uns zum Inle See zu fliegen – eine gute Entscheidung, wie wir später erfahren.

 

Air Bagan

 

Der Inle See ist ein großer Süßwassersee, welcher durch seine schwimmenden Dörfer und Gärten bekannt ist. Hier spielt sich das gesamte Leben der Menschen um den See. Wir mieteten uns ein Boot inklusive „Kapitän“ und lassen uns einen Tag lang auf dem See herumfahren: Wir sehen ursprüngliche Märkte, Fischer, Silberschmiede, eine Lotus-Weberei, schwimmende Tomaten-Farmen, springende Katzen und und und. Eigentlich viel zu viel, um detailiert drauf ein zu gehen …darum hier nur ein paar Bilder. Und an dieser Stelle unsere wärmste Empfehlung euch die Myanmar-Bildergallerie anzuschauen, die wir schon bald online stellen werden. Es lohnt sich – nicht nur wegen den Inle-Bildern…auch alle anderen Myanmar-Bilder sind absolut sehenswert ;)

Fischer auf dem Inle See

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Inle-See verbringen wir noch zwei weitere Tage, wir unternehmen noch eine kleine Fahrradtour, aber sonst lassen wir die Seele baumeln und uns von unserer hervorragenden Gastgeberin (unsere Empfehlung für das Queen Inn Guesthouse) verwöhnen.

Unser Lieblingskaffee in Inle See

 

Nach einer letzten Fahrt mit dem Nachtbus verbringen wir dann noch einen weiteren Tag in Yangon bevor wir den Rückflug nach Bangkok antreten und von dort nach Khao Lak zur bevorstehenden Tauch-Safari reisen.

Wenn wir an die Tage in Myanmar zurück denken, stellen wir fest, dass uns das Land durchaus sehr gefallen hat. Die schlechte Infrastruktur macht das Reisen aber relativ anstrengend…insbesondere, wenn man nicht ganz so viel Zeit hat. Durch den im letzten Jahr angestiegenen Tourismus ist es mittlerweile häufig schwer spontan eine Unterkunft zu finden und dieser Unterkunftsmangel lässt die Preise steigen. Sicher wird sich in den nächsten 5 Jahren verdammt viel verändern – zum einen wird sich sicher der Transport den Bedürfnissen der Touristen anpassen, auch die Preise der Unterkünfte werden sich wieder einpendeln. Was einem aber bewusst sein muss, ist die Tatsache, dass Myanmar schon bald nicht mehr das ist was es jetzt ist: Wohlstand und eine bessere Güterversorgung werden Kultur, Land und Menschen schon bald verändern. Also ab in den Flieger mit euch ;)

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2 Kommentare zu “Reise in die Vergangenheit: Myanmar”

  1. Wow – einfach nur geil! Hat mich sehr lebhaft an das Umherreisen und die Zustände in Indien erinnert… :o )

    Und Similan Islands wird der Hammer! Es lohnt sich übrigens eine Unterwasserkamera für diese Zeit auszuleihen!!!
    Ich hoffe bloß für euch, dass das coral bleaching in der Andaman Sea die Similans nich auch betroffen hat…

    Kann euch diesen Operator empfehlen, falls ihr noch nichts gebucht habt: http://www.phuket-diving-safaris.com/

    P.S.: Es macht immer unglaublichen Spaß euren Blog zu lesen, weiter so! :o )

     

    André HWR

  2. Haha, Andre, wie geil….. Phuket Diving Safaris = Similan Diving Safaris…und genau mit denen waren wir unterwegs ;) UND wir haben sogar gleich zwei Safaris mit gemacht :P Selbstverständlich mit Unterwasserkamera…wir schleppen die ganze Zeit eine mit nur um um die Similans herum UW-Bilder machen zu können ;)
    Naja, dazu die Tage mehr…bis dahin schau ich mir erst mal deine Indien-Bilder an ;)

     

    Jan

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